Albert Anker (1831 – 1910)
Ein Genie zwischen Ins und Paris
-Werner Schmidiger- Der diesjährige Halbtagesausflug der Eidgenössischen Turnveteranen- Vereinigung Bern-Mittelland führte uns in das „Centre Albert Anker“ nach Ins. Nach der Begrüssung durch Katharina Schmid erhielten wir durch Sabine Vontobel im sanft renovierten, historischen Wohnhaus der Famile Anker Einblick in die liebevoll erhaltenen Zimmer der Wohnung und in das Atelier des Künstlers. 28 Veteraninnen, Veteranen und Begleitpersonen erfuhren bei der sympathischen und kompetenten Führung viele Détails zum künstlerischen und kulturellen Schaffen Albert Ankers. Das Wohnhaus vermittelt die gutbürgerliche Wohnkultur der Familie mit weitgehend originaler Innenausstattung.
„Chambre des enfants“ – Ankers erste Wirkungsstätte
Nebst edel gedecktem Tisch im „chambre des parents“ war zu erfahren, dass Anker im „chambre des enfants“ sein erstes Malatelier einrichtete, ehe er 1860, nach dem Tod des Vaters, das Atelier im Dachgeschoss bezog. Wohl nicht ganz zufällig, denn „Kinderporträts“ spielten bei seinem Wirken eine wichtige Rolle. Von Anker stammen die schönsten Kinderbildnisse, welche der Realismus des 19. Jahrhunderts europaweit hervorgebracht hat. Wer hat nicht schon von den Werken „Das erste Lächeln“, „Der Schulspaziergang“, „Grossvater erzählt Geschichten“, „Die Turnstunde“ usw. gehört?
In einem weiteren Zimmer dem „salon pharmacie“, hing ein Selbstporträt von Albert Anker, dem sechsfachen Familienvater, der 1910 in diesem Zimmer, 79-jährig, verstarb.
Auf zwei Stockwerken, in der Dauerausstellung, konnten in thematischen Kapiteln und mit vielen Illustrationen (Bildträger, Malvorbereitung und Technik, Farbauftrag, Gipsfiguren) das Leben und das Engagement des Künstlers verinnlicht werden.
Höhepunkt der Führung war der Besuch des beinahe unberührten Ateliers, in dem Albert Anker viele seiner wertvollen und einzigartigen Bilder schuf. Ohne zusätzliche Beleuchtung genügte offensichtlich ein grosses Fenster, um arbeiten zu können. „Nordlicht“ war allerdings Pflicht, erklärte uns die Führerin.
Kunstmaler statt Pfarrer, dank „Schicksalsbrief“
Albert Anker begann auf Wunsch seines Vaters in Deutschland ein Theologie-Studium. Offensichtlich nicht sehr glücklich, schrieb er, 22 jährig, an Weihnachten 1853 seinem Vater einen sogenannten „Schicksalsbrief“. Darin bat er ihn, in Paris Malerei studieren zu dürfen. Mit der nötigen finanziellen Starthilfe von Vater Samuel ausgerüstet ging nicht nur der Wunsch von Albert in Erfüllung, sondern es begann eine rund 30 Jahre dauernde „familiäre Pendelzeit“ zwischen Paris (im Winter) und Ins (in der Sommerzeit). Als Schüler des Waadtländers Charles Gleyre absolvierte er eine klassische Ausbildung zum Maler.
Anker, ein gebildeter Mensch, befasste sich mit gesellschaftlichen, politischen, sozialen und erzieherischen Fragen seiner Zeit. In seinen Bildern klagte er nicht an, sondern veranschaulicht in realistischer Malweise bäuerliche und bürgerliche Werte.
Ankers Interesse für die „Seele“ der Dargestellten hob ihn damals deutlich von anderen Realisten und Porträtmalern ab. Über die Galerie von Adolphe Goupil in Paris gelangten seine Werke in Privatsammlungen in ganz Europa.
Vom Anker-Haus zum Centre Albert Anker
Das Wohnhaus in Ins blieb über sieben Generationen in Familienbesitz. Die Stiftung Albert Anker-Haus Ins wurde 1994 von Matthias und Rosette Brefin, in Zusammenarbeit mit dem Kanton und der Burgergemeinde Bern sowie der Gemeinde Lyss, gegründet, um das Erbe zu bewahren und der Öffentlichkeit als Centre Albert Anker zugänglich zu machen. Das denkmalgeschützte Haus wurde restauriert und umgebaut. Der Zweck der Stiftung, die Bewahrung des Hauses im gegenwärtigen Zustand sowie noch vorhandene künstlerische Werke und persönliche Gegenstände als Kulturgut zu erhalten, wurde vollumfänglich erreicht.
Nach einem Abstecher in den grossen, wunderbaren Garten mit dem prächtigen Lindenbaum und einem kleinen Gartenhäuschen ging der Rundgang im ehemaligen Tenn des Anker-Hauses bei einem Imbiss zu Ende.
Ein herzliches Dankeschön für die tadellose Organisation gebührt „Eventmanager“ Fredi Siegrist und ebenso gedankt sei dem „Hof-Fotografen“ Andreas Lehmann.
Beilage: Fotos